Unsere Redakteurin Dima AlBitar Kalaji.
Foto: Juliette Moarbes (2019)
Unsere Redakteurin Dima AlBitar Kalaji. Foto: Juliette Moarbes (2019)

„Nein, heute mal auf Deutsch!“

Das Thema Sprache bestimmt Arbeit und Alltag im Leben vieler Migrant*innen. Das Ringen um Worte genauso wie die stille Freude darüber, wenn sie einem plötzlich einfallen. Über das Synchronisieren von Gute-Nacht-Geschichten und den Kampf mit dem Genitiv schreibt WIR MACHEN DAS-Redakteurin Dima AlBitar Kalaji.

Von Dima AlBitar Kalaji, 04.01.2019

Meine zweijährige Tochter möchte ihre Gute-Nacht-Geschichte heute auf Deutsch vorgelesen bekommen. Wie gerne würde ich meine Sprache jetzt also einfach ändern, wie bei Netflix. Wie sich meine synchronisierte Stimme wohl anhören würde? Würde sie meiner wirklichen ähneln? Würde sie hoch und schrill klingen oder eher heiser? Ich stelle mir vor, wie die Bewegung meiner Lippen nicht mit den Worten übereinstimmt, die ich spreche ...

Aber ich schalte den fiktiven Bildschirm mit der ausgeliehenen Stimme ab, weil Lien mich drängt, endlich mit dem Vorlesen anzufangen. Sie selbst vermischt drei Sprachen und die dazugehörige Grammatik miteinander. Sie verwendet Wörter der einen Sprache mit Pronomen der anderen, aber das stört nicht weiter – solange wir miteinander kommunizieren können.

In meinem Sprachtandem stehe ich vor anderen Herausforderungen. Einmal wöchentlich treffe ich mich mit meiner Partnerin, die Arabisch lernt. Sie gibt sich Mühe, die unbekannten Buchstaben richtig auszusprechen und zu verstehen, wie Wörter, von denen viele für sie gleich aussehen, unterschiedliche Bedeutungen haben können. Ich dagegen versuche, mich mit ihrer Hilfe im Deutschen zurechtzufinden. Zusammen lesen wir Kindergeschichten auf Deutsch, und manchmal spreche ich mit ihr über die Texte, die wir hier im Magazin veröffentlichen.

Es ist eine besondere Herausforderung für mich, dass Sprache im Moment die Grundlage meines Lebens darstellt. Das gilt nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf professioneller Ebene. Mir ist klar, dass das Erlernen einer Sprache ein fortschreitender Prozess ist, der Interaktion braucht. Dass ich dabei Fehler machen werde, viele sogar. Aber wenn man im Arbeitsleben auf ein hohes Sprachniveau angewiesen ist, ist es besonders anstrengend. Man muss viel mehr auf Details achten, ständig das Wörterbuch benutzen.

Jeden Tag lese ich Texte in beiden Sprachen. Ich kommuniziere mit deutschen Journalist*innen, Schriftsteller*innen und Übersetzer*innen, für die Sprache ebenfalls Grundlage ihrer Arbeit ist. Ich bitte sie darum, sich mit mir nur auf Deutsch zu unterhalten, weil ich hoffe, durch das Zuhören zum Sprechen angeregt zu werden. Meist reden sie langsam mit mir, drücken sich mit einfacheren Worten aus, als sie es gewöhnlich tun würden – damit ich ihnen folgen kann. Und inzwischen gelingt es mir, aus ihrer Art zu reden auf ihre Persönlichkeit und ihr Leben zu schließen. Wenn ich neue Leute treffe, dauert es eine Weile, bis ich mich an ihre Sprechweise gewöhnt habe. Anfangs verstehe ich oft gar nichts.

Meine Kolleg*innen frage ich oft, wie sie den Stil eines Autoren oder einer Autorin finden, wenn sie deren Texte übersetzen. Ob ein Gedicht auf sie die gleiche Wirkung auf Deutsch hat wie auf mich im Arabischen. In Besprechungen bin ich dagegen oft still, versuche einfach, die Zusammenhänge zu verstehen. Wenn mir jemand eine Frage stellt oder einen Kommentar von mir erwartet, setzt mein Hirn für einen Moment aus und es herrscht Schweigen, während alle ihre Augen auf mich richten und warten. Ich höre die Informationen auf Deutsch, denke auf Arabisch und antworte auf Englisch – und dabei muss ich mich vergewissern, dass ich das Gesagte immer genau verstanden habe.

Im Deutschunterricht sagt unser Lehrer, dass wir eines besonderen Morgens aufwachen und uns an einen Traum erinnern werden – in dem wir Deutsch gesprochen haben. Ein solcher Traum würde bedeuten, dass die deutsche Sprache in unser Unterbewusstsein vorgedrungen ist. Eine der Kursteilnehmer*innen erzählte darauf, dass sie einmal vor Schreck aufgewacht sei, weil sie sich im Traum selbst nicht verstanden habe. Alle lachten. Aber ich verstehe diese Angst. Seit Jahren träume ich auf Deutsch. In meinen Träumen spreche ich die Sprache voller Enthusiasmus. Meine Gedanken und Gefühle verwandeln sich in Wörter und zusammenhängende Sätze, die nichts mit meinem armseligen Vokabular und meiner stümperhaften Grammatik zu tun haben, die mich tagsüber begleiten. In meinen Träumen spreche ich Deutsch völlig spontan, so als würde ich mit einem engen Freund in meiner Muttersprache reden.

Doch im Alltag tritt Scheu an die Stelle des Enthusiasmus. Dann, wenn ich von Leuten umgeben bin, die ganz selbstverständlich auf Deutsch kommunizieren. Ich versuche, so einfach wie möglich zu sprechen, damit der Dialog nicht zu kompliziert wird und ich ihm folgen kann. Und ich frage mich, ob sich das inzwischen, neben anderen Dingen, auf meine Persönlichkeit auswirkt.

Eine deutsche Freundin erzählt mir, dass sie mit ihrer neugeborenen Tochter Spanisch spricht, ohne das vorher geplant zu haben. Die Fehler, die sie dabei macht, stören sie nicht, sie mag es einfach, dass die Sprache ihre „warme Seite“ zum Vorschein bringt. Ich überlege, welche meiner Seiten die deutsche Sprache zum Vorschein bringt – die enthusiastische, im Traum einfach drauflosredende oder die stille, unterdrückte Seite? Oder eine ganz andere, die ich noch nicht kenne?

Ich bin sicher, dass meine Kolleg*innen mich unterstützen und mir helfen werden, wenn ich beschließe, nicht mehr auf Englisch zu kommunizieren, sondern nur noch auf Deutsch. Die Akkusativ- und Genitivfehler werden sich in ihren Ohren anhören wie der Klang eines Klaviers, das in einem leeren Hof auf eine Metalltreppe fällt. Das wird oft schwierig und frustrierend sein, aber nach einem Jahr des fast täglichen Umgangs miteinander weiß ich, dass es uns gelungen wird.

Seit meiner Ankunft in Berlin habe ich die alte syrische Tradition angenommen, Jahre anstelle von Zahlen mit Namen zu benennen. Am Anfang stand dahinter der geheime Wunsch, die Last jener Zeit von mir zu nehmen, die ich so weit weg von Syrien verbrachte. Normalerweise steht diese Tradition am Jahresende, man blickt damit auf das wichtigste Ereignis der vergangenen zwölf Monate zurück. Für mich soll das Ereignis nun schon das neue Jahr einläuten, ich nenne es „Jahr der Sprache“. Das Editorial für die Januarausgabe schreibe ich auf Arabisch und es wird übersetzt. Am Ende des Jahres werde ich es auf Deutsch schreiben.

* Übersetzung: Kerstin Wilsch

„لا، اليوم ألماني!“

تختار ابنتي ذات العامين والنصف الألمانية لقراءة قصة ما قبل النوم لهذه الليلة. أتمنى لو كنتُ أستطيع تبديل لغتي كما أفعل على نتفليكس! أتساءل كيف سيكون صوتي المدبلج، هل سيشبه صوتي الحقيقي؟  رفيعا حادّاً، أم ببحّةٍ خفيفة؟ أتخيّل حركة شفتيّ لا تطابق الكلمات التي أقولها و…. أطفئ شاشة صورتي بصوتٍ مستعار تحت إلحاح لين لنبدأ القراءة. تخلط لين ثلاث لغات في حديثها، تُخضع قواعد إحداها للأخرى، وتدمج كلمات لغة بضمائر الثانية، لكن ما يهم في كل ذلك فعلاً هو أننا نستطيع التواصل.

أتبادل لغتي مع فتاة ألمانية تتعلم العربية مرّة في الأسبوع، وبينما تجاهد هي للفظ حروف غريبة عنها، وفهم كيف لكلمات تكتب بنفس الأحرف أن تحمل معاني مختلفة بسبب حركات التشكيل التي لا تُكتب. أقرأ أنا معها قصصاً للأطفال بالألمانية، وأحاول أحياناً مناقشتها في النصوص التي ننشرها في هنا مجلتنا الالكترونية.
أن يكون أساس عملي وعالمي اللغة، مستوى عالٍ منها، يشكّل لي تحديّا مضاعفاً، ليس مهنيّاً فقط بل وشخصيّاً، رغم أنني مقتنعة تماماً أنّ اللغة هي عملية تعلّم تراكمية وتفاعليّة متشعبّة، وأنني لن أتعلّم دون أن أخطئ، كثيراً.

في عملي، أقرأ يوميّاً نصوصاً باللغتين، وأتواصل مع صحفيات وكاتبات ومترجمات ألمانيات، اللغة أساس عملهنّ أيضاً، أطلب منهن التحدث معي بالألمانية فقط، آملة أن اعتيادي على سماعهنّ سيجرني إلى الحديث معهنّ بنفس اللغة، يبطئن من حديثهن ويبسّطنه كي أستطيع مجاراتهن. مع الوقت أصبحت أميّز الكثير عن شخصيّاتهن وحياتهنّ من طرقهنّ في الحديث والتعبير. عند مقابلتي لشخص جديد أحتاج بعض الوقت حتى أعتاد على طريقته…في البداية لا أستطيع أن أفهم شيئاً.
يشغلني دوماً عبور المعنى في الترجمة، فأسألهنّ كيف يبدو أسلوب كاتب ما بعد ترجمته؟ وإن كانت قصيدة شاعرة مؤثرّة كما هي بالعربية؟  في الاجتماعات، أنا دوماً أكثر هدوءاً لأستطيع ملاحقة السياق، عندما تتوجه إحداهن لي بسؤال أو يُتوقّع مني تعليق ما، يتوقف دماغي عن العمل للحظات، يحلّ صمت بينما جميع العيون تنظر وتنتظر، أتلقى المعلومة بالألمانية أفكر بالعربية وأرد بالإنكليزية، وبين هذا وذاك أتأكد إن كنت قد فهمت بشكل صحيح، تبقى المفارقات المضحكة والفكاهات عصيّة! يغرق الجميع في الضحك وتكبر إشارات الاستفهام والتعجب فوق رأسي.
في درس اللغة، يروي لنا المعلم أن الصباح الذي نستيقظ به متذكرين حلماً نتحدث فيه الألمانية هو صباح لن يُنسى، لأن ذلك يعني ببساطة أن لا وعينا قد بدأ بتبّني الألمانية، ترد إحدى الطالبات أنها استيقظت مذعورة لأنها لم تفهم نفسها في الحلم. نضحك جميعاً. لكنني أفهم هذا الخوف. منذ سنوات، أحلم بالألمانية، أتحدثها دوماً بانفعال مُغرق في أحلامي، أفكاري ومشاعري تترجم إلى كلمات دون قاموس مفرداتي الفقير وميزان قواعدي المختل، أتحدثها في أحلامي بعفوية حارّة ومطلقة، كبوح لصديق مقرّب بلغتي الأم.
في اليومي يوازي هذا الانفعال سكوت خجول عند وجودي في محيط يتواصل بالألمانية، أحاول به إبقاء محادثتي بسيطة جداً ومغلقة، كي لا يتعقد الحوار بشكل لا أستطيع مجاراته، وأسأل نفسي إن كان ذلك بين أسباب أخرى بدأ بطبع شخصيتي.

تخبرني صديقة ألمانية أنها بدأت بالتواصل مع ابنتها حديثة الولادة بالإسبانية دون قرار مسبق، وهي لا تبالي بالأخطاء التي ترتكبها أثناء ذلك لأنها تحب الجانب الدافئ الذي تظهره تلك اللغة منها. أفكر بالجانب الذي ستظهره مني الألمانية؟ هل هو ذلك المنفعل الثرثار في الحلم، أم المكبوح الصامت؟ أم آخر لا أعرفه بعد.

أثق أنّ زميلاتي سيدعمنني ويساعدنني إن قررت التوقف عن التواصل بالإنكليزية، والالتزام بالألمانية فقط. أتخيّل أخطاء النصب والجر في آذانهن كصوت بيانو يسقط على درج معدني في بهو فارغ، أعلم أنّ ذلك سيكون صعباً ومحبطاً في الكثير من الأحيان، لكنني أعلم أيضاً بعد سنة من التعامل شبه اليومي معهنّ  أنني وهنّ نستطيع فعل ذلك.

منذ قدومي إلى برلين تبنيّت عادة قديمة في سوريا بتسمية السنوات بدلاً عن عدّها، كانت في البداية رغبةً مضمرةً برفع ثقل زمن يمرّ بعيداً عن سوريا. تقتضي هذه العادة تسمية السنة بعد انقضاءها بأكثر حدث ميّزها، سأقرر هذا الحدث لهذا العام في بدايته، سأسميّه: عام اللغة. في الشهر الأول من هذا العام أكتب افتتاحية العدد بالعربية التي ستترجم إلى الألمانية، وفي آخره سأكتبها بالألمانية.

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