Foto: Emine Akbaba
Foto: Emine Akbaba

Mikrokosmos Schrebergarten

Für ihre Bildstrecke Mikrokosmos Schrebergarten besuchte die Fotografin Emine Akbaba Schrebergärten in Hannover und Umgebung. Hier gibt sie uns einen kleinen Einblick in den Projektablauf.

Von Juliette Moarbes, 23.12.2019
Wie bist du auf das Thema aufmerksam geworden, was hat dich daran gereizt und wie hast du die Familien gefunden, die du begleitet hast?

Ich habe in Hannover Foto-Journalismus und Dokumentarfotografie studiert und mit dem Projekt bereits während meines Studiums angefangen. Das Thema hatte mich schon lange interessiert, und das Ganze wurde dann zu einer Art Langzeitarbeit. Ich habe türkische Wurzeln und habe von Anfang an meinen Fokus auf Projekte gelegt, die auch meine Persönlichkeit und meine Erfahrungen widerspiegeln. Die Idee zur Schrebergarten-Serie fand ich deshalb interessant, weil man selten von Menschen mit Migrationshintergrund, in meinem Fall türkischen Familien, hört, die sich dafür entscheiden, einen Schrebergarten zu pachten. Es scheint in den Augen vieler ein Widerspruch zu sein.

Angefangen hat es damit, dass meine Cousine einen Schrebergarten gepachtet hatte. Auch mir schien das erst mal befremdlich. Typisch deutsch, dachte ich. Man geht da hin, hat Rosen oder was auch immer, alles schön auf gleicher Höhe gehalten – Blumen, die man dann beim Spazierengehen anschauen kann. Das kannte ich vorher nicht. Aber meine Cousine lud uns von Zeit zu Zeit ein, und ich empfand das Zusammenkommen in ihrem Garten als schön.

Wir haben gegrillt oder Backgammon gespielt. Und irgendwann fielen mir immer mehr Menschen mit Migrationsgrund auf, die einen Garten gepachtet hatten. Ich bin in dritter Generation in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich kenne keine Feldarbeit, aber die älteren Menschen in meiner Verwandtschaft, auch meine Mutter, kennen das aus ihrer Kindheit, weil sie aus einer ländlichen Region der Türkei kommen. Diese Generationen verbinden so etwas wie Heimatgefühl damit, dass sie in ihren Schrebergärten Tomaten, Auberginen oder Mais anbauen, was sie dann auch einfrieren können.

Dass ich so etwas vermeintlich Banales fotografisch begleiten wollte, fanden meine türkischen Freund*innen anfangs seltsam.

Der Schrebergarten scheint eben typisch deutsch. Wie hast du den Umgang der Menschen miteinander dort empfunden? Und wie werden Menschen mit Migrationshintergrund in der Gemeinschaft der Gartenbesitzer*innen aufgenommen? Teilt sich das in zwei Gruppen oder ist es eher ein Miteinander?

Für die Umsetzung meines Projekts bin ich auch durch verschiedene Schrebergärten-Vereine gelaufen, habe explizit nach solchen Gärten gesucht. In der Kleingartensiedlung Kleinburghof bin ich dann fündig geworden. Zuerst habe ich mich mit dem Vorstand der Siedlung unterhalten, um Kontakte und einen Einblick in die Organisation zu bekommen. Dieses Gespräch war zum Teil etwas befremdlich, da der Vorstand, Herr W., mir erzählte, dass der Verein, um die Harmonie zu wahren, darauf achte, einen Ausländeranteil von 10 Prozent nicht zu überschreiten.

Von einem wirklichen Miteinander kann man also kaum sprechen. Es ist eher ein Nebeneinander. Man grüßt sich, doch es gibt keinen Austausch zwischen den Besitzer*innen. Es ist ganz ruhig. Jeder ist mit seinem Garten beschäftigt, macht sein Ding. Zumindest habe ich nicht erlebt, dass Gärtner*innen mit Migrationshintergrund viel mit den anderen gesprochen, Rezepte ausgetauscht oder mal zusammen gegrillt hätten. Es gibt aber auch keine Anfeindungen.

Vielen Dank, Emine, für den kurzen Einblick! Wir sind gespannt auf Dein nächstes Projekt.

Bildstrecke Mikrokosmos Schrebergarten von Emine Akbaba

Bildstrecke Mikrokosmos Schrebergarten von Emine Akbaba

Bildstrecke Mikrokosmos Schrebergarten von Emine Akbaba

Bildstrecke Mikrokosmos Schrebergarten von Emine Akbaba

Bildstrecke Mikrokosmos Schrebergarten von Emine Akbaba

Bildstrecke Mikrokosmos Schrebergarten von Emine Akbaba

Emine Akbaba ist freie Fotografin und Dokumentarfilmerin. Sie berichtet über Frauenrechte im Nahen Osten. Ihre Projekte wurden national und international ausgestellt, publiziert und ausgezeichnet – unter anderem mit dem Nikon Photo Award 2014/2015, dem Medienkunstpreis 2015 und mit dem „Alles in schönster Ordnung“-Fotopreis.

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