Mein Name ist Angela Merkel

Ihre Familien kamen als Geflüchtete nach Deutschland. Aus Dankbarkeit benannten die Eltern ihre Kinder nach der deutschen Bundeskanzlerin –  Angela, Angela Merkel oder Christ Merkel. Die Fotografin Julia Sellmann hat sechs von ihnen getroffen.

Von Maritta Iseler, 24.09.2019

Für viele der Menschen, die 2015 nach Deutschland kamen, ist Angela Merkel eine mutige Frau, vor allem weil sie damals, an diesem Wochenende im September, entschieden hatte, die Geflüchteten aus Ungarn in Zügen nach Deutschland kommen zu lassen. Für diese Menschen ist die Regierungschefin, die mit ihrem Satz „Wir schaffen das“ Menschen in Not geholfen hat, ein Engel – das ist ja auch die Bedeutung des Namens Angela.

Laut der Gesellschaft für deutsche Sprache, die jährlich die Statistik der beliebtesten Vornamen veröffentlicht (wobei etwa 90 % erfasst werden), wurde der Name Merkel seit 2015 siebenmal vergeben, sechsmal für ein Mädchen und einmal für einen Jungen. Es dürfte also noch ein paar mehr geben. Ihre Familien stammen unter anderem aus Syrien und dem Irak, aus Afghanistan, Nigeria und Kamerun oder Ghana. So kommt es auch, dass es Dokumente gibt, die beginnen mit: »Im (Asyl-)Verfahren des/der Angela Merkel ...«

Die Fotografin Julia Sellmann hat zusammen mit der Journalistin Nicola Meier im Auftrag des Zeit Magazins sechs dieser Familien 2018 besucht. Wir zeigen einige ihrer Bilder.

Wie bist Du auf das Thema gekommen und wie hast Du die Familien gefunden?

Auf das Thema ist meine Kollegin Nicola Meier vom Zeit Magazin aufmerksam geworden. Sie hat dann für die Geschichte sehr lange recherchiert. Es war aufwendig, bis sie sechs Familien gefunden hatte, die mitmachen wollten. Aber mit Hilfe der Betreuer*innen von damals, von Mitarbeiter*innen in Ämtern und Kolleg*innen aus Lokalredaktionen gelang es ihr.

Mit welchen Herausforderungen warst Du während des Fotografierens konfrontiert und was war Dir wichtig, zu zeigen? In den letzten Jahren sind unzählige Fotostrecken von und über Geflohene entstanden. Wie lässt sich ein voyeuristischer Blick vermeiden und was ist für Dich ein gutes Bild?

Natürlich war es erstmal gar nicht so einfach, an nur einem Tag mit allen Protagonisten der Geschichte warm zu werden, denn wir kannten uns ja vorher nicht. Dabei war es mir sehr wichtig Portraits zu fotografieren, die zeigen wie die Familien leben, die nah am Menschen, kindlich, lebhaft oder traurig sind, aber dabei nicht kitschig wirken.

Es sind Dankbarkeit und Hoffnung, die die Eltern mit der Namensgebung verbinden. Haben sich die Hoffnungen für diese Familien erfüllt, oder bist Du auch auf Enttäuschung gestoßen, wurden Zweifel deutlich? 

Die Familien sind mittlerweile vier Jahre hier. Sie kommen aus vielen verschiedenen Ländern und sind in ganz Deutschland verstreut auf sehr unterschiedliche Gegebenheiten und Menschen gestoßen. Manche haben sich mit Hilfe der Nachbarschaft in eigenen Wohnungen sehr schnell integriert, andere brauchen länger. Aber egal wie, hat keine der sechs Familien bereut, ihre Kinder nach Angela Merkel benannt zu haben!

Bild von Julia Sellmann. Foto: Moritz Kuestner
Foto: Moritz Küstner

Julia Sellmann ist Fotografin, sie lebt und arbeitet in Köln und ist Mitglied der laif Agentur für Photos & Reportagen.

Sie hat zahlreiche Geschichten für diverse Auftraggeber festgehalten, unter anderem für Die Zeit, The Guardian, Geo Saison, Greenpeace Magazin, Brand Eins, 11 Freunde oder Vice.

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