(Symbolbild) Vorraum einer Moschee. Foto: Annette Hauschild
(Symbolbild) Vorraum einer Moschee. Foto: Annette Hauschild

Wenn anderen die Worte fehlen, spricht die Kunst

Noch immer haben Einwanderergemeinschaften in Deutschland einen gesellschaftlich schweren Stand. Das Münchner Projekt AusARTen schafft positive Bilder gegen Islamophobie und zeigt Vielfalt, Kreativität und Möglichkeiten, die in einer diversen Gesellschaft stecken.

Von Asma Abidi, 11.02.2019

Jedes Jahr veranstalten die Organisator*innen des Projekts AusARTen ein dreiwöchiges Festival in München, während dem sie im Forum für Islam die Arbeiten junger Künstler aus Einwandererfamilien oder mit muslimischen Wurzeln zeigen. Gezeigt werden Theaterstücke, Bilder und Installationen, Tanzperformances und Filme. Und am Ende bekommen alle Teilnehmer*innen die Möglichkeit, sich Vorträge anzuhören oder an Diskussionsrunden teilzunehmen. Es gibt auch Workshops, die unter dem Motto „Versuchen wir’s zusammen“ laufen und in denen Künstler*innen mit Aktivist*innen zusammen arbeiten und Menschen aus den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft zusammenkommen: Politikwissenschaftler*innen, Anthropolog*innen, Medienmacher*innen und sozial engagierte Menschen rüsten sich hier mit neuem Werkzeug für kritisches Denken aus, um etwas in der Gesellschaft zu verändern.

Das Festival richtet sich an alle Münchner*innen, unabhängig von Alter, Herkunft und Religion. Dazu bietet das Projekt auch älteren Münchner*innen die Möglichkeit, sich an Austausch und Begegnung zu beteiligen. Und es richtet sich gezielt an junge Musliminnen, laut Organisator*innen eine Gruppe, die besonders viel Ablehnung und Diskriminierung in Deutschland erfährt: sowohl durch die Mehrheitsbevölkerung, als auch durch die eigenen Familien oder andere Muslim*innen.

Das Kunstprojekt „AusARTen“ ist aus den regelmäßigen Treffen der Diskussionsrunde „Kritisch-Denken“ des Münchner Forums für Islam entstanden, das gleichzeitig einer der Sponsoren des Festivals ist. Hinter der Vorbereitung und Organisation stecken Julia Ley, Nabila Abdel Aziz, Hannan Salamat, Waseem Radwan, Erkan Inan und ein Team junger Helfer, die sich freiwillig für das Forum engagieren. Bereits vor Jahren startete das Forum eine Initiative, in der junge Muslim*innen aus München zusammen mit ihren Freund*innen Vorträge, Musikabende und Projekte organisierten - alle mit dem Zweck, etwas in der Stadt zu bewegen.

Nabila Abdel Aziz besuchte das Forum zum ersten Mal vor vier Jahren: „Wir haben uns da jede Woche nach dem Freitagsgebet mit dem Imam getroffen und in einer diskussionslustigen Runde alles diskutiert, was Muslim*innen betrifft – immer möglichst sachlich und unvoreingenommen.“ Aus diesen offenen und kritischen Runden entstand dann die Idee für „AusARTen“, und damit für einen Raum, in dem sich jeder frei äußern kann.

Die Journalistin Julia Ley lernte das Forum als Nicht-Muslimin kennen, weil sie sich für die Vorträge, die kulturellen und religiösen Veranstaltungen interessierte, die man dort anbot. Sie beschreibt die Atmosphäre im Forum als unkonventionell für München und Deutschland, da sie Platz biete für ungehinderte Diskussion und kritische Zusammenarbeit und ein unvoreingenommener Ort der Begegnung sei - zwischen den Ausländer*innen der Stadt und allen, die sich für gesellschaftliche Themen und kulturelle Vielfalt interessierten.

Julia Ley kommt aus Berlin, hat Nahost-Studien und Türkisch in Großbritannien studiert. Auch Nabila Abdel Aziz hat dort Islamwissenschaft und Sozialanthropologie studiert, bevor sie zur Deutschen Journalistenschule in München ging. Beide arbeiten zurzeit an einem Blogprojekt, bei dem es um konstruktive Kritik an der medialen Berichterstattung über den Islam und Muslim*innen in Deutschland geht.

Foto: AusARTen
Foto: AusARTen

Das Projekt „AusARTen“, so Nabila, will einen interaktiven Raum für Künstler*innen, Forscher*innen, Aktivist*innen und interessierte Gäste mit den verschiedensten Perspektiven schaffen. Dafür finden dort zahlreiche Diskussionsrunden statt, bei denen es zum Beispiel um die gesellschaftlichen Herausforderungen geht, vor denen Künstler*innen aus Minderheiten oft stehen. „Es wird darüber gesprochen, was ethnische und religiöse Repräsentation für sie bedeutet, oder darüber, ob Zugeständnisse für den Aktivismus überlebensnotwendig sind oder nicht.“ Am wichtigsten, so Nabila, sei es, Künstler*innen und kreative Menschen zu unterstützen, die von den Medien sonst nicht beachtet werden oder auf dem begrenzten Raum größerer Festivals keinen Platz finden.

Auch Julia erzählt von der Diskussion über Diskriminierung unter Muslim*innen in Deutschland vor zwei Jahren. Daran beteiligt waren eine deutsche Künstlerin mit türkischen Wurzeln, die kein Kopftuch trug sowie eine Deutsch-Türkin mit Kopftuch, eine schwarze, muslimische Deutsche und eine lesbische Muslimin. Julia beschreibt die Runde als „Feminismus par excellence“, die in einem anderen Kontext innerhalb der muslimischen Gesellschaft nicht möglich gewesen wäre.

Die Debatte um Homophobie und Feminismus im Islam hat eine Mauer des Schweigens durchbrochen, die sich um verschiedene Tabuthemen gebildet hatte. Endlich räumt man diesen Themen und der Forschung darüber nun ihren Platz in der Diskussion ein. „Hintergrund solcher Gespräche und Kulturveranstaltungen ist der Wunsch, verschiedene Menschen in Deutschland in Kontakt miteinander zu bringen“, sagt Nabila. Und zwar in ungewohnten Konstellationen: Normalerweise organisieren Nicht-Muslime meist die Veranstaltungen rund um den Islam und laden Muslim*innen als Gäste ein. Nabila glaubt, dass solche Treffen vor allem von Muslim*innen selbst organisiert werden müssen, weil dadurch gesellschaftliche Kräfte für Fortschritt und Veränderung freigesetzt würden.

Foto: AusARTen

Debatten über den Islam und Muslim*innen in den traditionellen Medien sind laut Julia und Nabila oft untrennbar mit Bezügen auf Gewalt, Extremismus und Rassismus verbunden. Man spricht über die enorme Macht des Koran, darüber, dass Muslim*innen das Grundgesetz ablehnten oder sich die Einführung der Scharia wünschen - die Reihe der negativen Bilder ist lang. Julia und Nabila wollen darauf aufmerksam machen, wie Medien sich an der Verbreitung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus beteiligen. Sie finden es wichtig, dass die muslimische Gemeinschaft Orte schafft, die alle Menschen zum zivilisierten Gespräch und zur aktiven Beteiligung einlädt, erklären beide.

Zusammen mit jungen Muslim*innen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund arbeiten sie an dem Projekt „The Muslim Story“, das online Geschichten aus dem Leben und dem Umfeld der Jugendlichen erzählt. Sie hoffen auf einen Wandel in der Medienlandschaft, durch den ein realistischeres Bild über diesen Teil der Gesellschaft gezeichnet wird. Dafür fordern sie keine einseitig positive Berichterstattung, sondern Medien, die fair arbeiten und ohne Vorurteile und Stereotypen auskommen.

Foto: AusARTen
Foto: AusARTen

Es geht um das Bauen von Brücken, nicht nur zwischen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Lebenserfahrungen, sondern auch zu Menschen aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Kunst und Medien sind dabei mächtige Helfer im Kampf gegen Extremismus und Ausgrenzung. Obwohl die Islamophobie mit dem Islamismus erstmal nicht viel gemein hat, wissen wir doch durch aktuelle Forschung, dass beide mit Ausschlusserfahrungen zu tun haben und dass Diskriminierung den Extremismus nur stärkt. Eine Reihe von Fällen hat gezeigt, dass die systematische Marginalisierung muslimischer Jugendlicher zu deren Eintreten in extremistische Netzwerke und radikale Gruppen beiträgt. Das ließe sich vielleicht vermeiden, wenn man die kreative Entwicklung der Jugendlichen unterstützte – durch die Kunst und durch das Fördern kritischen und konstruktiven Denkens.

* Übersetzung aus dem Arabisch von Janna Isabel Verthein

Der Artikel ist im Rahmen unseres Tandem-Projekts mit dem Titel „WIR WIND VIELE. Geschichten aus der Einwanderungsgesellschaft“ entstanden und wurde initiiert von WIR MACHEN DAS.

 AusArten –
الفن كوسيلة لتغيير وجهات النظر ومقاومة التطرف والعنصرية

تتميز مجتمعات المهاجرين المحليّة بالتعدد والتنوع، وغنى الموارد، وهي غالبا ما تكون أيضاً حاضنة للأفكار التي تهتم بالتغيير والتجديد والإبداع والعمل التشاركي والتضامني من أجل قضية معينة أو من أجل محاربة أفكار ترفض الآخر وتهدد التعددية الثقافية. لكنها تقترن أحيانا أيضاً بأفكار سلبية مثل عدم الإندماج، الانغلاق ورفض الآخر. ضمن هذا الاطار يحاول مشروع „اوسارتن“ العمل على  تغيير وجهات النظر حول الإسلام والمسلمين في ألمانيا من خلال الفن.

يقيم القائمون على المشروع مهرجانا سنويا في ميونخ  على مدى ثلاثة أسابيع، تعرض خلاله أعمال لفنانين شبان من أصول مهاجرة أو مسلمة في فضاءات منتدى ميونخ للإسلام. كما تقام عروض موسيقية ومسرحية ولوحات رقص وأفلام سينمائية. وتمثل نهاية الأسبوع فرصة لمرتادي المهرجان للإلتحاق بمحاضرات وحلقات نقاش وورش عمل متنوعة تحت عنوان “لنجرب معا“ تجمع فنانين ونشطاء وأناسا من خلفيات متنوعة في العلوم السياسية والإنتروپولوجيا والإعلام وجمعيات العمل المدني بهدف التسلح بآليات الفكر النقدي ومهارات الضغط من أجل التغيير الإيجابي في المجتمع.

ويدعو المهرجان  أفراداً من الفئات المهمشة على غرار الشبان الذين ليست لهم فرص تطوير عملي ومهني  أو من اللاجئين الذين بواجهون صعوبات في الحياة الجديدة. كما يعطي الفرصة لبعض كبار السن في مدينة ميونخ بالمشاركة في الحوارات واللقاءات، وتعتبر فئة النساء المسلمات الشابات من الشرائح المستهدفة بالنظر إلى ما يتعرضن له، حسب القائمين على المشروع، من نفور وتمييز من جانب مجتمع الأغلبية وفي مجتمعهم الخاص كالعائلة والجمعيات ذات الاغلبية المسلمة.

تم إنشاء المشروع الفني كجزء من الاجتماعات الدورية لمبادرة „التفكير النقدي“ في منتدى ميونيخ للإسلام. ويقف وراء الإعداد والتنظيم فريق يتكون من جوليا لاي، نبيلة عبد العزيز، وسيم رضوان وأركان انان ومجموعة أخرى من الشبان الذي جمعهم عملهم التطوعي بالمنتدى وهو الجهة الراعية للمهرجان. وبدأ المنتدى منذ سنوات بمبادرة يعمل فيها مسلمو ميونخ وأصدقاؤهم على تنظيم محاضرات وأمسيات موسيقية ومشاريع دعم من أجل التغيير الإيجابي للمجتمع في المدينة.
زارت نبيلة عبد العزيز المنتدى لأول مرة منذ أربع سنوات: „كنا نجتمع أسبوعيا بعد صلاة الجمعة مع الإمام في حلقة تتميز بالانفتاح لمناقشة مواضيع تهمنا كمسلمين بطريقة عقلانية وغير متعصبة، ومن ذلك التفكير النقدي المنفتح على الآخر وعلى المختلف ولدت فكرة “اوسارتين” كفضاء يسمح للأصوات البديلة والنقدية بالتواجد والتعبير.”
أما جوليا لاي فقد تعرفت إليه  من خلال زيارتها كغير مسلمة تريد الإطلاع على النشاطات والمحاضرات وغيرها من الفعاليات الثقافية والدينية التي يقدمها فهو “يوفر مساحة غير معهودة في ميونخ وألمانيا للنقاش والتفاعل النقدي والخالي من القيود وهو مكان للالتقاء الأجانب في المدينة والمهتمين أيضا بالمواضيع المجتمعية والتعددية الثقافية.”
تنحدر جوليا من مدينة برلين ودرست الدراسات شرق الاوسطية واللغة التركية في المملكة المتحدة، وهي تعمل كصحفية مستقلّة ومراسلة لمواقع ألمانية عديدة. بينما درست نبيلة عبد العزيز الدراسات الإسلامية والأنثروبولوجيا الاجتماعية أيضا في المملكة المتحدة قبل أن تلتحق بالمدرسة الصحفية الألمانية بمدينة ميونخ. وتعمل الاثنتان حاليا على مشروع مدونة تهتم بالنقد الصحفي البنّاء للتغطيات الإعلامية حول الإسلام والمسلمين في ألمانيا.
يهدف „اوسارتن“ إلى خلق فضاء تفاعلي بين باحثين، نشطاء، فنانين ومهتمين لهم وجهات نظر مختلفة من خلال حلقات النقاش العديدة التي تم تنظيمها، كالتحديات التي يواجهها فنانون كـ “ملونين” في المجتمع الألماني وماذا تعني لهم التمثيلية العرقية او الدينية وهل من تنازلات يجب القيام بها من أجل بقائهم على الساحة. – تقول نبيلة وتضيف “من المهم أن ندعم الفنانين والمبدعين الذي لا يسلط عليهم الضوء في الإعلام السائد أو في الدوائر الضيقة للمهرجانات الرسمية وأن نعالج كل المسائل المختلفة من أجل ان يكون للجميع صوت”.

 وتتابع جينيفير “منذ سنتين كان لنا حلقة نقاش حول التمييز داخل المجتمع المسلم، ومن بين الضيفات كانت هناك فنانة المانية من اصول تركية من دون حجاب وأخرى المانية تركية ترتديه وألمانية مسلمة سوداء ومثلية مسلمة. كانت الحلقة نسوية بإمتياز وغير ممكنة في سياقات أخرى في المجتمع المسلم عادة

 عبر مناقشة “رهاب المثلية“ و“النسوية في الإسلام” والعنصرية بين المسلمين أيضا، تُكسر حواجز الصمت وتُعالج التابوهات المختلفة بفتح مجال الحديث عنها والبحث في أسبابها. تقول نبيلة أن ما وراء هذه النقاشات والفعاليات الثقافية هو التواصل مع الآخرين  في ألمانيا عامة وميونخ ولكن من زاوية مختلفة فعادة ما ينظم “غير مسلمون“ فعاليات تهتم بأمور تتعلق بالمسلمين ويدعى إليها مسلمون كضيوف، ولكننا نعتقد أنه يجب على المسلمين أنفسهم تنظيم مثل هذه الملتقيات ودعمها كقوة تحفز التغيير والتقدم داخل المجمتع.

تقترن النقاشات حول المسلمين والإسلام في وسائل الإعلام التقليدية، حسب جينيفير ونبيلة، بالعنف والتطرف والعنصرية،  ويتم الحديث عنهم كرافضين للدستور أحيانا أو فوق طائلة القانون ويطالبون بتطبيق الشريعة في ألمانيا والعديد من الأفكار السلبية المسبقة “لا نريد إعلاما يساهم في رهاب الأجانب ونشر العنصرية ونرى أنه من المهم أن تكون للمجتمع المسلم فضاءات تدعو كل الناس إلى الحديث والمشاركة بطريقة مواطنية وفعالة بدل الوقوع في فخ ردود الفعل المتشنجة.” توضح نبيلة وجينيفر، ولذلك هما تعملان مع  شباب من أصول مهاجرة أو مسلمة على مشروع “القصة المسلمة“ لإنشاء مواقعهم الإعلامية التي تروي قصص مجتمعاتهم وتساهم في تغيير المشهد الإعلامي عبر تشجيع شباب من أصول مسلمة بالتوجه إلى الصحافة بالإضافة إلى العمل مع الصحفيين الألمان من أجل تغيير طريقة التغطية الإعلامية التي تتعلق بقضايا الإسلام والمسلمين في ألمانيا وجعلها أكثر تمثيلاً لواقع هذه المجتمعات “نحن لا ندعوهم الى تغطية صحفية إيجابية بالضرورة بل ندعوهم إلى تغطية إعلامية عادلة وغير منحازة للقوالب والصور النمطية.”

يساهم الفن والاعلام في بناء جسور تواصل بين الناس وخاصة عندما تختلف وجهات نظرهم وتجاربهم في الحياة ولكن أيضا عندما يتعلق الأمر بفئات هشة، يصبحان سلاحا ضد التطرف والانغلاق. على الرغم من أن الإسلاموفوبيا والتطرف الإسلامي غير مرتبطين بشكل مباشر إلا أن الأبحاث الحالية تشير إلى أن تجربة الاستبعاد والتمييز يمكن أن تعزز التطرف فهنالك العديد من الحالات التي أثبتت أنّ التهميش الممنهج للشباب المسلم ساهم في التحاقهم بشبكات تطرف ومجموعات راديكالية. وأحد الحلول لتفادي هذا الأمر في تشجيع هؤلاء الشباب ومساندتهم في تطورهم الإبداعي وقد تكون إحدى تلك الطرق عبر الفن، وأيضاً عبر التمكين بفكر نقدي وبناء.

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